Art Works

Paul Schrader

Paul Schrader

Wir lieben schöne Dinge. Auf den Tellern, im Glas und eben auch: an den Wänden. Unser Lieblingsbild ist von dem Hamburger Künstler Paul Schrader. Wir haben ihn im Basil & Mars zu einem Gespräch über Kunst, Kreditkarten und Kreativität getroffen.

Q: Hallo Paul, es ist uns eine Ehre! Bestell‘ Dir was zu trinken und dann erzähl‘ doch mal, wann Du mit dem Malen angefangen hast!

A: Wenn ich so zurückdenke, habe ich eigentlich immer schon gerne gemalt. In der Schule hatte ich dann Kunst als Leistungskurs; aber auf richtig großen Leinwänden zu malen habe ich erst vor fünf Jahren, also 2012, angefangen.

Q: Du malst ja nicht nur mit Pinseln, sondern auch gerne mal mit Kreditkarten. Wie kam es dazu?

A: Das war ehrlicherweise ein Zufall: ich war gerade an einem Werk zugange und brauchte dafür einen Spachtel – da ich aber keinen parat hatte, hab ich einfach eine abgelaufene Kreditkarte benutzt. Funktionierte super! Und offenbarte mir irgendwie auch eine interessante zweite Ebene: man benutzt die Karte zwar in erster Linie um zu kaufen und zu konsumieren, aber von da an hatte ich ein neues all-around-tool.

Q: Dann ist Dein Verschleiß an bargeldlosen Plastikkärtchen wahrscheinlich ziemlich hoch..?

A: Ich bestelle schon des Öfteren neue, ja. Die ersten vier, fünf Bilder habe ich noch damit gemalt, aber inzwischen das Sortiment mal-tauglicher Alltagsgegenstände massiv erweitert. Tetra Paks, Magazine und vor allem auch Krawattenkartons eignen sich bestens zum Arbeiten!

Q: Denkst Du, dass es ab einem Punkt keinen Spaß mehr bringt sein Hobby zum Beruf zu machen, weil man nur noch „muss“ statt zu „wollen“?

A: Ich stehe natürlich schon unter einem großen Kreativitätsdruck, der sich aber gut anfühlt, solange man nicht davon abhängig ist, Leistung abzuliefern. Ich habe da großes Glück.

Es gibt durchaus Tage, an denen ich extrem viel gemalt habe und froh bin, wenn ich das alles mal stehen- und liegenlassen kann und es aus meinem Sichtfeld verschwindet.

Q: Vor Deiner Künstlerkarriere hast Du in Rechtswissenschaften promoviert. Brauchst Du diesen rationalen Ausgleich oder war das mal als Plan B gedacht? Oder sogar Plan A?

A: Oha, laaange Geschichte! Zusammengefasst ergab es sich wie folgt: Ursprünglich wollte ich mal Pilot werden. Die dafür notwendigen Tests habe ich zwar alle bestanden, den Plan aber aus anderen Gründen doch wieder verworfen.

Meine Interessen sind weit gestreut, und so schwebte mir ein Studium in Modedesign vor. Mein Vater bat mich dann: „Junge, mach‘ doch erstmal was Vernünftiges!“.

Rückblickend war das ein guter Schritt, denn man geht sehr viel entspannter und losgelöster an die Kunst, wenn man den ganzen Tag schon Kleingedrucktes im Job lesen musste.

Der Mensch ist einerseits zu schlau, um nur vor sich hin zu vegetieren. Am Ende will er einfach fröhlich sein und geliebt werden.

Q: Gab es einen Moment, den Du als Deinen persönlichen Durchbruch bezeichnen würdest?

A: Als ich mein erstes Bild im großen Format fertiggestellt hatte, war das schon ein Wow-Moment! Aber generell ist es immer ein bewegendes Gefühl, wenn ich alleine vor einem fertigen Bild stehe und denke: Das ist jetzt gut geworden! Oder noch besser als erwartet!

Q: Earlybird oder Nachteule: wann malst Du am liebsten?

A: Ich mag beides! Manchmal arbeite ich Samstag nachts mit einem Gin Tonic, aber genauso gerne an einem Sonntagmorgen mit Espresso.

Q: Zu welcher Musik malt und trinkt es sich denn bei Dir am besten?

A: Rapmusik! Am liebsten höre ich classics aus der 90er-Ära, zum Beispiel Nas. Aber auch neue Sachen wie Kendrick Lamar sind dabei.

Q: High Five für den erlesenen Geschmack von mir! Plattenauswahl und Minibar hätten wir geklärt – was brauchst Du sonst noch, damit die Ideen fließen?

A: Zuallererst, wirklich immer: Musik! Und dann warte ich einfach, bis der Moment da ist. Der Ort gerät dabei zur Nebensache. Sobald ich diese bestimmte innere Unruhe spüre, weiß ich, dass es soweit ist. Deshalb muss ich zuhause auch  immer genügend Farbe und Leinwände vorrätig haben.

Aber wie schon Banksy einmal ganz richtig sagte: wenn das Bild fertig ist, fängt die Arbeit erst an!

Q: Stichwort Blockade: gibt es auch bei Dir eine Angst vor der „weißen Leinwand“?

A: Klar. Ich habe früher mal in einem Cafè gejobbt. Mein damaliger Chef hat mir eine Sache eingebläut: bring‘ nie einen schlechten Cappuccino zum Gast! Das Getränk kann man wegschütten und neu machen – aber der Gast ist im Zweifel weg und kommt nie wieder. So ist das in der Kunst auch: man darf keinen Scheiß rausgeben! Und es erfordert wirklich Mut, ein Bild wieder zu verändern oder wieder komplett zu weißen, denn es besteht immer das Risiko, dass es schlechter aussieht als vorher.

Q: Wie gut kannst Du heute von der Malerei leben: Champagner oder Brot mit Spucke?

A (schmunzelt): Och, geht schon ganz gut! So gut hätte ich es mir jedenfalls nicht vorgestellt.

Q: Mal aus dem Tuschkasten geplaudert: Dein skurrilster Moment in der Kunstszene? 

A: Mir macht es immer Spaß Menschen zu treffen, die sich auch für Kunst begeistern, so wie auf der Affordable Art Fair beispielsweise. Und skurrile Momente gibt es derer viele!

Tatsächlich fühlt es sich jedes Mal etwas verrückt an, wenn Du Deine Werke in anderer Leute Privaträumen hängen siehst – als würde ein Stück von einem selbst in einer völlig fremden Umgebung weiterexistieren.

Q: Was tut Paul Schrader, wenn ihn jemand in ein intellektuelles Gespräch über Kunst verwickeln möchte?

A: Dann nimmt er den Kampf auf! Ich diskutiere gerne. Da die Leute aber meistens sehr mit den Bildern beschäftigt sind, kommt es gar nicht so häufig dazu. Wenn doch, dann geht es meistens um den Preis. Da muss man dann hart bleiben.

Q: Wie lange wird sich ein Normalsterblicher Deine Kunst noch leisten können?

A: Freunde bekommen natürlich immer einen Spezialpreis. Wer an einem Bild interessiert ist, soll mir einfach eine Email schreiben und auf ein Bier vorbeikommen; bei mir zuhause hängt noch das ein oder andere!

Q: Besitzt Du selbst auch Werke von anderen Künstlern?

A: Im Schlafzimmer hängt etwas, sonst ist alles von mir! In Miami hätte ich mir vor Kurzem fast ein Bild von Sam Francis gekauft. Drei Tage haben wir verhandelt – am Ende ist es leider am Zoll gescheitert.

Q: Zu guter Letzt: Ist Kunst in Deinen Augen ein Vehikel, um tiefere Botschaften zu übermitteln oder geht es einfach darum, die Sinne des Rezipienten zu erfreuen?

A: Beides natürlich. Der Mensch ist einerseits zu schlau, um nur vor sich hin zu vegetieren. Am Ende will er einfach fröhlich sein und geliebt werden. Die Botschaft von Kunst liegt in meinen Augen darin, seine Lebenszeit so zu verbringen wie man mag! Und Freude am Leben zu haben, solange wir können. Das soll man in meinen Bildern sehen. Also: ohne zu bullshitten jetzt!

Q: No bullshit, Paul: es war uns ein Fest, mit Dir zu sprechen! Cheers und Danke für Deine Zeit!

Colors on The Rocks, 2016, Acryl auf Leinwand

Sneaky Paul @ Basil & Mars

Studio Paul Schrader

Das Interview führte Jenny Donoghue