Grillmeister Harry

In Hamburg seid Ihr offener und toleranter als in der südlichen Provinz

Harry

Unser Mann am Grill wollte lieber in Hamburg als auf den Malediven arbeiten, ist Vegetarier & Buddhist, fährt IMMER mit dem Fahrrad zur Arbeit und unser Fels in der Brandung. Der lustigste Fels in der Brandung, übrigens.

Harry, willkommen in der lustigen Fragerunde! Eines vorweg: wenn Dir die Fragen zu privat werden, sag’ Bescheid – dann lassen wir die aus.

A: Nee, ach! Komm’, frag’ mich was Du willst!

Q: Okay. Du kommst ja aus dem Schwabenländle aka Spätzle-Äquator. Was hat Dich nach Hamburg verschlagen?

A: Also das ist mir jetzt doch zu privat!

Q: Haha, okay: nächste Frage!

A: Naja, sagen wir mal so: hier in Hamburg ist man allgemein etwas offener und toleranter als da unten in der südlichen Provinz. Das gefällt mir einfach. Ansonsten sehe ich mich eher als „Entwicklungshelfer“, was das Essen hier oben angeht: Labskaus! Das ist doch kein Essen! Es gab früher so einen „kulinarischen Austausch“ zwischen Hamburg und Stuttgart: Fischmarkt gegen Weindorf, sozusagen. Da wurde mir Labskaus vorgesetzt. Ich habe aber lieber den Schnaps dazu getrunken.

Q: Gut, das war also nix. Du hast ja schon viel international gearbeitet und bist auch lange gereist; welcher Küche bist Du denn am ehesten zugetan?

A: Der asiatischen Küche im Allgemeinen und der singhalesischen im besonderen.  In Sri Lanka wird quasi jedem Gewürz eine heilende Wirkung zugeschrieben, ebenso wie den verschiedenen Gemüsen, die dort in viel größerer Menge zubereitet werden als in unseren Breitengraden. Das ist auch typisch für die ayurvedische Kochkunst.

Als ich mal für ein Jahr auf den Malediven gearbeitet habe, konnte ich außerdem die pakistanische und indische Küche kennen- und schätzenlernen.

Q: Du bist ja dem Buddhismus sehr verbunden und ernährst Dich seit einigen Jahren vegetarisch, stehst im Basil und Mars aber am Grill und bereitest Fleischspezialitäten zu. Wie geht das zusammen?

A: Mein Schwiegervater war Buddhist, und ich habe das vor circa 12 Jahren so übernommen. Ich habe schon ein schlechtes Gewissen, weil ich ja weiß, dass das Tier mal gelebt hat. Umso wichtiger ist es zu wissen, was es für ein Leben hatte und wo das Fleisch herkommt. Wenn ich zuhause für meine Kinder koche, kommt aber nur ein Mal pro Woche  Fleisch auf den Tisch.

Q: Wie sieht ein perfekter freier Tag für Dich aus? Du hast ja auch Familie.

A: Wenn ich unter der Woche frei habe, schnappe ich mir mein Mountainbike und radel’ zwei bis drei Stunden durch die Gegend und setze mich irgendwo ans Wasser. Wenn die Kinder aus der Schule kommen koche ich natürlich auch an meinem freien Tag – ich finde es wichtig, dass sie sehen, wie und mit welchen Zutaten ihr Mittagessen zubereitet wird.

Q: Du kommst auch mit dem Rad zu Arbeit, bei Wind und Wetter?

A: Ja. Ist ja nur Wasser, das von oben kommt! Ich fahre so 15-20 Kilometer Fahrrad am Tag, meistens drehe ich vor der Arbeit auch noch eine Runde um die Alster. Das ist auch gleichzeitig mein körperlicher und seelischer Ausgleich zum Job.

Q: Wo sollte denn die nächste Reise hingehen, wenn Du jetzt loskönntest?

A: Ich war jetzt seit acht Jahren nicht mehr im Urlaub. Tatsächlich wäre es wirklich an der Zeit mal wieder nach Sri Lanka zu fliegen um die Familie meiner Frau zu besuchen mit unseren Kindern. Nach Halaveli, meinem früheren Arbeitsort auf den Malediven, würde ich aber auch gerne noch mal verreisen.

Q: Apropos einsame Insel: auf welchen Luxus würdest Du dort nicht verzichten wollen?

A: Auf alles. Man braucht da nichts. Schnorcheln ist doch soviel toller als fernsehen.

Q: True that. Aber was ist mit dem DFB-Finalspiel vom BVB? Du bist doch Fan der allerersten Garde?

A: Neue Trikots habe ich dafür auf jeden Fall schon bestellt!

Q: Hast Du sonst einen Glücksbringer oder ständigen Begleiter?

A: Ja, meinen Buddha im Portmonee .

Q: Sehr gut. Wen interviewen wir als nächstes und was würdest Du gerne von der Person wissen?

A: Fragt doch mal die liebe Lena. Die hat immer ein Lächeln auf den Lippen, auch an schlechten Tagen. Ob sie sich vorstellen könnte eines Tages die Geschäftsleitung hier zu übernehmen?

Q: Wird gemacht. Letzte Frage: „Du bist, was Du isst!“ – was sollten die Gäste Deiner Meinung nach als nächstes festes Gericht auf der Abendkarte finden?

A: Spargel mit Kratzte – das ist die badische Version eines herzhaften Schmarrens.

Now we know Bescheid! Thank you, dear Harry!

Ich sehe mich ja eher als „Entwicklungshelfer“, was das Essen hier oben angeht.

Immer dabei: Buddhistischer Glücksbringer.

BVB Biene, kann auch backen

Interview & Übersetzung aus dem Schwäbischen: Jenny Donoghue